Trauma
Was
ist eigentlich ein Trauma
und
wie
wird ein
Trauma behandelt?
Ein
Trauma (traumatisches Erlebnis) ist ein Schock, eine ernsthafte Bedrohung für
die Sicherheit oder körperliche Unversehrtheit des Betroffenen oder einer
nahestehenden Person (z.B. Naturkatastrophen, Unfälle, Kriegsgeschehnisse,
Verbrechen, Vergewaltigung, Geiselnahme). Nach einem Trauma
haben fast alle Menschen unangenehme Gefühle, körperliche Empfindungen und
Gedanken. Es kann eine Zeit dauern, bis das wieder abklingt. Während dieses
Zeitraumes können ungewohnte Bilder, Geräusche, Empfindungen und Gedanken an
das Trauma auftauchen, auch wenn man versucht, diese beiseite zu schieben. Diese
Reaktionen sind ganz normal und zeigen, dass der Verstand daran arbeitet, mit
dem traumatischen Erlebnis fertig zu werden. Erst wenn diese Reaktionen nach
einem längeren Zeitraum nicht schwächer werden bzw. in den Hintergrund treten,
spricht man von einer
posttraumatischen Belastungsstörung.
Symptome, die in Folge eines seelischen Trauma's auftreten können: All
diese Empfindungen können, müssen aber nicht auf eine posttraumatische
Belastungsstörung hinweisen. Traumatische
Erlebnisse können zu negativen Veränderungen im Selbstbild führen, z.B. mögen
Sie
denken. „Mir passieren schlimme Dinge, weil ich ein schlechter Mensch bin“
oder „Wenn ich nicht so schwach und dumm gewesen wäre, wäre mir das nicht
passiert“. Viele Menschen berichten, dass das Trauma sie völlig verändert
hat, z.B. dass sie jetzt vor allem Angst haben und selbst mit den kleinsten
Problemen nicht mehr fertig werden. Nach einem Trauma
sehen viele Menschen die Welt und andere Menschen in einem anderen negativen
Licht. So mag die Welt plötzlich einem sehr gefährlich vorkommen oder Sie
denken, dass Sie
niemandem mehr trauen können. Dies alles sind verbreitete Reaktionen auf
traumatische Ereignisse. Die Gefühle, Gedanken und körperlichen Reaktionen die
Sie
empfinden sind vollkommen normal. Sie stellen eine natürliche und menschliche
Reaktion auf extreme Belastungen dar. Sie deuten daraufhin, dass Sie
mit dem traumatischen Erlebnis, dem
Trauma, bisher noch nicht fertig geworden sind. In dem hier von uns
angebotenen therapeutischen Setting werden Sie
in die Lage versetzt, dass Sie
die Erinnerung an das Trauma nicht mehr überwältigt, und dass Sie
somit das Trauma hinter sich lassen können. Es wird zum Teil ihrer
Vergangenheit und wird dadurch ihr gegenwärtiges Leben nicht mehr bestimmen und
dominieren.
Behandlung von Patienten
mit einem Trauma
Eine
Patientin mit posttraumatischer Belastungsstörung bzw.
Trauma ist dünnhäutig, rasch überreizt, und das ist physiologisch
bedingt! Im Gegensatz zu anderen Patienten/Patientinnen können traumatisierte
Menschen heute normale Alltagsunannehmlichkeiten mit Lebensgefahr verwechseln.
Dies scheint auch ein hirnpyshiologisches Problem zu sein. Das Sicherheitsbedürfnis
eines Menschen wird durch ein
Trauma extrem verletzt und erschüttert. Traumatisierte Menschen fühle
sich verunsichert, denn sie haben eine Situation erlebt, dass etwas von Außen
kommendes über sie Kontrolle hatte, und sie erleben im Rahmen einer
posttraumatischen Belastungsstörung, dass sie die Kontrolle über ihr inneres
verlieren, dass das Innere über sie Kontrolle übernimmt. Äußere und innere
Sicherheit und Kontrolle sind deshalb die wesentlichen Therapieschritte in der
Anfangsphase und aber auch während der gesamten Behandlung. Die zu Beginn der
Behandlung erfolgende Stabilisierung soll den Patienten/Patientinnen ermöglichen,
sich später mit ihrem Trauma
auseinander zu setzen. Es ist nicht ratsam, Patienten/Patientinnen von ihrem
Trauma berichten zu lassen, bevor sie ausreichend stabilisiert sind.
Stabilisierende Maßnahmen sind:
1. Das Erlernen von
Imagination und Kognition mit heilsamen, Ich-stärkenden Vorstellungen
2. Das Erlernen von
Affektdifferenzierung und Regulierung und Kontrolle über innere Zustände.
Zu
1. : Imaginationsübungen
Sie
dienen im Wesentlichen dazu, den schlechten Bildern der traumatischen Erfahrung
eine innere gute Welt gegenüber zu stellen. Genauso wie die schlechten Bilder
noch nach Jahrzehnten wirksam sind, können auch gute Bilder wirksam werden.
Diese Imaginationsübungen bieten eine gute Möglichkeit der Selbstberuhigung
und des Selbsttrostes. Die beiden wichtigsten Imaginationsübungen sind dabei
wohl der „innere sichere Ort“ und „innere Helfer“. Der innere sichere
Ort ist eine Erfahrung von absoluter Sicherheit und Geborgenheit, besonders
wichtig bei
Angstzuständen nach dem Trauma. Er ist auch eine gute Möglichkeit der
Selbsttröstung. Die inneren Helfer vermitteln Trost und Halt und können
ratgebend zur Seite stehen. Darüber
hinaus gibt es eine Fülle weiterer Visualisierungsübungen, die bei
verschiedenen Problemen hilfreich sein können. Natürlich erfordert es häufig
eine längere Anleitung, damit diese Übungen wirklich in belastenden
Situationen greifen können. Weitere
wichtige Imaginationsübungen, die besonders Kontrolle über innere Zustände
geben können, ist z.B. die Tresorübung, bei der Bilder, die quälen, in einen
phantasierten Safe oder Tresor gepackt werden, oder Geräusche, die nicht
auszuschalten sind, auf eine Tonträger gebracht werden und dann in den Tresor
gepackt werden und so weiter. Flash-Backs,
also Wiedererleben von vergangenen belastenden traumatischen Bildern können
auch durch Techniken des Dissoziationsstoppens reguliert werden, damit wird
beispielsweise ein inneres Video von einem traumatischen Ereignis mit einer
imaginären Fernbedienung angehalten und zurück gespult. Dadurch wird die
Wahrnehmung des Flash-Backs überlagert und durch gegengerichtete Bilder, konfus
in ihrem automatischen Ablauf gestört. Sehr wirksam ist auch die Arbeit mit
Gegenbildern: Während ein Bedrängnis, schlimmes Bild auf einer Seite der Wand
oder im Inneren gesehen wird, wird auf der anderen Seite ein gutes Gegenbild
entwickelt. Dann soll der Blick zwischen beiden Bildern hin und her wandern.
Dabei kann sich das belastende Bild verändern, in dem es kleiner oder weniger
bedrängend wird. All
diese Techniken im Umgang mit den traumatischen Ereignissen sind vielen
Patienten/Patientinnen bereits vertraut, da sie diese oft selbst automatisch in
der Kindheit angewendet haben. Jetzt geht es darum, diese Techniken noch
gezielter und kontrollierter zu nutzen.
Weitere wichtige Imaginationsübungen sind die Arbeit mit dem „inneren Kind“
und mit Täterintrojekten. Zusammenfassend sind wichtige Schritte zur
Stabilisierung :
- Lernen, sich sicher zu fühlen,
wahrzunehmen, welche Maßnahmen dazu erforderlich sind
- Wissen und Information über
Trauma und Traumafolgen
- Erlernen von Ich-stärkenden
Imaginationen, die ein Gegengewicht zu negativen Erinnerungen schaffen
- Erlernen von Gefühlwahrnehmung,
Differenzierung und Regulierung
- Übung einer differenzierten Körperwahrnehmung
und eines freundlicheren Umganges mit dem Körper
- Erlernen einen kontrollierten
Umganges mit Flash-Backs Die
genannten Maßnahmen führen dazu, dass Patienten zu aufdeckender,
traumazentrierter Arbeit in der Lage sind, allerdings auch nicht in allen Fällen.
Bei manchen Patienten kommt eine Aufdeckung traumatischer Erfahrungen nicht in
Frage. In allen Phasen der Therapie kann es sinnvoll sein, zeitlich begrenzt
Psychopharmaka einzusetzen, besonders schlaffördernde und angstmindernde
Medikationen haben sich bewährt.
2.
Trauma
- zentrierte Arbeit
Wenn
also in einem günstigen Fall durch die Stabilisierungsphase eine Basis
geschaffen werden konnte, wird versucht, das
Trauma aufzuarbeiten. Dies bedeutet, sich mit dem was geschehen ist, dosiert
und geplant auseinander zu setzen. Dafür stehen unterschiedliche Techniken
zur Verfügung, z.B. die Bildschirmtechnik, die Beobachtertechnik oder das EMDR.
Damit ein Trauma
verarbeitet werden kann ist es unbedingt notwendig, dass Gedanken, Gefühle, Körpererleben
und Gedankenserfahrungen gleichzeitig erlebt werden können. Dabei ist Ziel der
Trauma
- Exposition,
dass aus traumatischen Zuständen Erinnerungen werden. Kurz zu den einzelnen
Behandlungstechniken. Bei
der Bildschirmtechnik schauen die Patienten das traumatische Geschehen auf dem
Bildschirm an. Aus einer distanzierten Position heraus, mittels einer imaginären
Fernbedienung können sie die Intensität des Geschehens steuern.
- In
der Beobachtertechnik nutzen wir unsere natürliche Fähigkeit wahrzunehmen und
zu beobachten, was ist. Die Tatsache, dass wir beobachten können, heißt, dass
wir mehr sind als unsere Gefühle. Wir müssen uns dann nicht unbedingt mit dem
Geschehen identifizieren und können uns distanzieren. Bei der Beobachtertätigkeit
beschreibt der beobachtende Teil in der dritten Person mit allen Details, Gefühlen,
Gedanken etc. was auf der Bühne passiert. Eine wirksame Behandlung ist das EMDR
(das in einem gesonderten Artikel beschrieben wird). Jede
Trauma
- Arbeit wird mit selbsttröstenden Vorstellungen abgeschlossen, sei es
durch die Bilder von Licht, sei es durch Trost des verletzten Kindes durch die
erwachsene Person oder durch die inneren Helfer. Auch der innere sichere Ort
kann immer wieder aufgesucht werden, um Sicherheit und Geborgenheit zu erleben.
Damit eine Sitzung im Rahmen der Trauma
- Therapie so abgeschlossen werden kann, dass der Patient/Patientin nicht
aufgelöst und überflutet den Raum verlässt, ist auch eine gute Vorbereitung
in der Stabilisierungsphase erforderlich, die Patienten/Patientinnen in die Lage
versetzt, sich selbst zu trösten. Häufig
wird Trauma
- Arbeit mit dem Entschärfen einer Mine verglichen. Kein Mensch würde
eine Mine ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrung entschärfen.
Dritte Therapiephase: Integration, Trauern und Neuorientierung Sich
an traumatische Erfahrungen in vollem Umfang zu erinnern, ist erst einmal sehr
schmerzhaft. Gefühle von Scham und Schuld können entstehen, darüber hinaus
werden Sinnfragen aufgeworfen. Natürlich entsteht auch Wut und Verzweiflung.
Diese Phase des Akzeptierens der eigenen Geschichte, das, was einem Widerfahren
ist und wie das Erfahrene sich im Leben ausgewirkt hat, anzunehmen, braucht
meist am längsten. In dieser Phase ist auch wieder die konfliktzentrierte
therapeutische Arbeit sinnvoll. Mit den besten Wüschen für Ihre
Gesundheit Ihre Anna Hoeß
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
Sagen Sie uns ruhig mal Ihre
Meinung! Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.
Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Telefon +49 (0) 56 1 - 31 08- 305, 327, 179 oder - 523
Wigandstraße 1 · 34131 Kassel - Bad Wilhelmshöhe (Germany) Servicetelefon 0800 / 8 90 11 00 · Info-Fax 0800 / 7 32 73 80 Haftungshinweis: |