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           Klinik für Ganzheitsmedizin und Naturheilkunde                                           Psychosomatische Abteilung

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Belastungsstörungen

Konzept zur Behandlung von Patienten/Innen mit  Belastungsstörungen in der psychotherapeutischen Abteilung der Habichtswaldklinik  

1. Einführung

a) Belastungsstörungen: Unsere klinische Erfahrung

Seit Jahren gibt es in der psychotherapeutischen Abteilung der Habichtswaldklinik ein Therapieangebot speziell für Frauen.

Dieses Angebot haben zu einem großen Prozentsatz Frauen mit Zustand nach unterschiedlichen Traumatisierungen für sich genutzt. Um den spezifischen Bedürfnissen von Patientinnen mit Belastungsstörungen Rechnung zu tragen, war eine traumatherapeutische Weiterqualifizierung der Behandlerinnen erforderlich und ist erfolgt. Die Therapeutinnen sind durch Herrn Professor Dr. SACHSSE und Frau Dr. REDDEMANN traumatherapeutisch ausgebildet und haben spezifische traumatherapeutische Techniken wie z.B. EMDR erlernt und angewendet. Wir haben ein geeignetes Setting für diese Patientinnen entwickelt und bieten aufgrund des guten Erfolges und der Nachfrage nach traumatherapeutischen Angeboten auch für Männer jetzt ein Therapiekonzept an. Dieses Konzept wurde speziell für Männer und Frauen mit posttraumatische n Belastungsstörungen infolge von Traumatisierungen im Erwachsenenleben konzipiert.   

b) Die Problematik der Belastungsstörungen  

Ein Trauma mit der nachfolgenden Entwicklung posttraumatische r Belastungsstörungen bedeutet immer einen tiefen Einschnitt in das Leben eines Menschen. Bisherige Lebensplanungen werden durchkreuzt, wesentliche innere Überzeugungen über sich selbst, die Welt, andere Menschen und die Sinnhaftigkeit des Lebens werden zutiefst erschüttert. Symptome massiver Stressbelastungen treten auf, eine breite Palette von Störungsbildern und Beschwerden wie z. B.  Somatisierungen, Ängsten, Panikattacken, depressiven Verstimmungen, Schlafstörungen, funktionellen körperlichen Beschwerden, Selbstunsicherheit, Selbstwertstörungen, Schuld- und Schamgefühlen, schweren Problemen in der Affektkontrolle und Impulssteuerung lässt sich regelhaft beobachten. Ebenso sind schwere Störungen im Bereich der beruflichen Leistungsfähigkeit, Arbeitsfähigkeit und in den Sozialkontakten die Regel. Aus Selbstheilungsversuchen der PatientInnen resultieren oft weitere Symptome, so z.B. aus dem sozialen Rückzug, den Versuchen der Selbstberuhigung durch Alkohol und Medikamente und aus selbstschädigendem Verhalten, das bis hin zu Suizidversuchen gehen kann.

2. Die Behandlung  

a) Therapieziele

Ziel der stationären Therapie der posttraumatische n Belastungsstörungen ist es, die durch die Traumatisierung gestörten und irritierten Fähigkeiten wieder zu erlangen.

Dies sind insbesondere:

  • die Fähigkeit zur Selbstberuhigung und zur Entspannung

  • die Fähigkeit, sich ich in der Welt ausreichend sicher zu fühlen

  • das Gefühl einer gewissen Kontrolle über den eigenen Körper und eines
    Verständnisses für körperliche Reaktionen

  • die Fähigkeit zur Selbsttröstung

  • die Fähigkeit, sich und anderen zu vertrauen

  • die Fähigkeit zur Affektsteuerung

  • die Fähigkeit zur Impulskontrolle

  • die Fähigkeit zum gezielten Handeln

  • die Fähigkeit zum Kontakt mit Anderen

  • die Fähigkeit zum Wohlbefinden und Genießen

  • die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu lenken und sich zu konzentrieren

  • auf Ressourcen zurückgreifen zu können.

b) Die Therapien und ihre grundlegenden Prinzipien  

Unsere Behandlung erfolgt auf tiefenpsychologischer Basis mit einem multimodalen Therapiekonzept.

Grundlegend in allen Therapien ist die Verminderung von Stress, die Förderung von Selbstbestimmung und Kontrolle, das Schaffen ausreichender Sicherheit und klarer Überschaubarkeit, die Förderung von Ressourcen, die Förderung von vertrauensvollen, verlässlichen sozialen Kontakten. Auf der Basis wieder gewonnener psychischer und physischer Stabilität kann dann die Auseinandersetzung mit dem Trauma erfolgen mit dem Ziel der Erlebensbewältigung und schließlich der Neuorientierung im eigenen Leben.   

Gruppentherapie

Die Therapie erfolgt in Form von Gruppentherapie, die viermal wöchentlich stattfindet. Zu einer Gruppe gehören maximal 9 PatientInnen. Zwei der vier Gruppentermine werden von der behandelnden PsychotherapeutIn geleitet. Dazu kommt eine Körpertherapiegruppe und eine Kunsttherapiegruppe. In den Gruppen geht es nicht um das eigentliche Trauma, das die PatientInnen erlebt haben, sondern um ein Verständnis der körperlichen und seelischen Folgen der Traumatisierung und um das Erlernen eines sinnvollen und heilsamen Umgangs mit den Traumafolgen, die das Leben beeinträchtigen. Hier verbinden sich kognitiv-psycho-edukative Ansätze mit konstruktiven Techniken zur emotionalen Stabilisierung mit dem Ziel des Angstabbaus, der Aufgabe von Vermeidungsverhalten, der Einübung hilfreicher Techniken zur Impuls- und Affektsteuerung sowie der Selbsttröstung. Es ist Raum für Austausch mit anderen Menschen mit dem Ziel der Verbesserung sozialer Kompetenz und des Abbaus von Rückzugsverhalten. Dabei kann die Gruppe „Gleicher und Gleichen“ als stabilisierender Faktor erlebt werden. Klare Strukturen dienen der Wiedererlangung von Aufmerksamkeitslenkung und Konzentrationsfähigkeit, übende imaginative Verfahren haben das Ziel, neben dem Schrecklichen, das erlebt wurde, wieder innere Vorstellungen von Schutz, Sicherheit, Verlässlichkeit und guten inneren Gestalten zu etablieren und diese beiden Pole nach und nach wieder zu integrieren.  

Körpertherapie

In der Körpertherapie geht es darum, durch gezielte Übungen das gestörte Vertrauen zum eigenen Körper wieder zu stärken, die eigenen körperlichen Fähigkeiten wieder spüren zu können, Handlungskontrolle wieder zu erreichen, mit der eigenen Stärke wieder in Kontakt zu kommen. Ziel ist es auch, die eigene Körperlichkeit wieder anzunehmen und zu bejahen, respektvoll mit dem Körper umzugehen und den Körper als Raum des Selbst wieder ins Selbsterleben zu integrieren.  

Kunsttherapie

Ansatzpunkt der Kunsttherapie ist der kreative Selbstausdruck in einer klaren Struktur des therapeutischen Ablaufes. Ein reflektiertes Probehandeln mit Farbe auf dem Papier ermöglicht, dass PatientInnen das Produkt eigener Handlung und eigenen Ausdrucks unmittelbar sichtbar wird. Es wird der PatientIn direkt deutlich, wie durch eigenständiges Handeln ein Resultat verändert werden kann, dem Geschehen ein Rahmen gegeben werden kann. Erlebbar wird, dass es Bereiche im Leben gibt, auf die direkt Einfluss genommen werden kann.   

Einzeltherapie

Die Arbeit in der Einzeltherapie erfolgt je nach Indikation in einem 50-minütigem Einzelgespräch in der Woche oder mehreren kürzeren Einzelkontakten. Wenn die Stabilisierung der PatientIn so weit gediehen ist, dass Traumaaufarbeitung erfolgen kann, geschieht auch das in Einzeltherapiesitzungen, die dann je nach Notwendigkeit unter Einsatz von Techniken wie EMDR bis zu 120 Minuten dauern können. Die Einzeltherapie dient von der Traumaaufarbeitung vorrangig der Sicherung und Festigung des therapeutischen Bündnisses. Dem dient die Reflexion der TherapeutIn/PatientInbeziehung und ggf. von Störungen derselben, die Reflexion des Therapieverlaufes und evtl. Störungen, Reflexion des Engagements von PatientIn und TherapeutIn in der Therapie und Vorbereitung der anstehenden nächsten Schritte im Therapieprozess.  

Ärztliche und Psychopharmakatherapie.

Je nach Indikation kommen hier bei körperlichen Symptomen roborierende physikalische Therapieren, Krankengymnastik, Massage, wo möglich und sinnvoll naturheilkundliche Behandlungen zum Einsatz. Psychopharmaka verwenden wir sparsam, gezielt und nach genauer Aufklärung und Absprache mit der PatientIn, da, wo ese medizinisch erforderlich ist.  

Entspannungsverfahren

Außer der individuellen Arbeit an der Verbesserung der Entspannungsfähigkeit in den therapeutischen Gruppen nimmt jede PatientIn an Übungsgruppen für ein Entspannungsverfahren teil. Hier gibt es eine Palette von Möglichkeiten, die Yoga, Autogenes Training, Progessive Muskelrelaxation und Tai Chi umfasst.  

Aktivierungsverfahren

Ebenfalls dem Stressabbau und verbessertem Umgang mit innerer Spannung, Impulsen und Affekten dienen die Aktivierungsverfahren, an denen ebenfalls jede PatientIn teilnehmen sollte. Hier stehen zur Verfügung Ergometertraining, Walking und eine Sportgruppe.  

Möglichkeiten für Freizeitgestaltung

Wichtige weitere Möglichkeiten zur Ressourcenstärkung, die mit der PatientIn ausführlich besprochen und angeraten werden, jedoch nicht verordnet werden, so dass jede PatientIn eine individuelle Wahlmöglichkeit hat, sind die Benutzung der Kurhessentherme, die mit der Klinik direkt verbunden ist. Hier können Wärme und Wasser in vielfältigen Angeboten zur Entspannung und Steigerung des Wohlbefindens genutzt werden. Die Habichtswaldklinik grenzt unmittelbar an den Bergpark Wilhelmshöhe, der dazu einlädt, sich im Kontakt mit der Natur und in Bewegung in der Natur zu stärken und zu regenerieren. Zahlreiche kreative Freizeitangebote, wie Töpfern, Seidenmalen, Basteln, Singen, Tanzen stehen der PatientIn für die selbstverantwortliche ressourcenorientierte Gestaltung der therapiefreien Zeit zur Verfügung. Unterschiedliche Meditationen, Kreistänze und aus asiatischer Kampfkunst entwickelte Übungen ritualisierter Bewegungsabläufe können genutzt werden, um das Empfinden von Freude, Sinnhaftigkeit und Verbundenheit mit dem Leben und mit Anderen zu vertiefen.  

c) Zusammenarbeit mit ambulanten Behandlern und Kostenträgern – Casemanagement

Die posttraumatische n Belastungsstörungen sind oftmals eine schwere Erkrankung. Es braucht auch heute noch lange, bis die Diagnose gestellt ist und eine gezielte Therapie eingeleitet wird. Bis dahin ist oft eine Chronifizierung von Symptomen eingetreten und eine Symptomvielfalt hat sich durch mehr oder weniger taugliche Selbstheilungsversuche entwickelt. Für diese PatientInnen ist es dann in der Regel das Sinnvollste, eine kombinierte ambulant/stationäre Behandlung im Sinne einer Intervalltherapie über einen längeren Zeitraum anzustreben. Für die Effektivität und das gute Gelingen einer solchen Therapie durch ambulante und stationäre BehandlerInnen ist eine gute Kooperation zwischen den BehandlerInnen erforderlich. Darum sind wir sehr bemüht, indem wir während der stationären Therapie regelmäßig Kontakt mit den ambulanten BehandlerInnen aufnehmen und den Austausch über das therapeutische Gesamtkonzept fördern. In einzelnen Fällen werden inzwischen von den Krankenkassen Case-Manager eingesetzt, die bei diesen langwierigen und kostenaufwendigen Krankheits- und Therapieverläufen eine sehr wichtige und hilfreiche Funktion haben und mit denen wir, wann immer es möglich ist, ebenfalls Kontakt aufnehmen und pflegen. PatientInnen mit posttraumatische n Belastungsstörungen haben ja nachvollziehbarerweise und regelhaft ein großes Thema mit Sicherheit und Kontrolle. Für diese PatientInnen wirkt sich Unklarheit im Bereich der Kostenübernahme für notwendige Behandlungen besonders fatal aus, so dass eine gute Kooperation mit den Kostenträgern für den Therapieerfolg unabdingbar ist.  

3. Die Ergebnisse  

Wie in der Einführung geschildert, arbeiten wir seit Jahren mit traumatisierten Frauen. Seit 1998 evaluieren Professor Koch und seine Mitarbeiter, Universität Hamburg, die Ergebnisse unserer stationären Therapien. Wie auch im Bereich anderer Krankheitsbilder sind die Ergebnisse im Bereich der Behandlung posttraumatische r Belastungsstörungen sehr gut, insbesondere, wenn man das Preis/Leistungsverhältnis mit bedenkt. Unser Tagessatz ist mit 140,55 € im Vergleich mit psychiatrischen Akuthäusern äußerst günstig. Unsere Aufenthaltsdauer ist im Vergleich sehr niedrig.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

Ihre Tilla Fischer
Oberärztin
Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin
Rehabilitationswesen

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juni 2010

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